seelische Krankheiten: Neurosen

seelische Krankheiten: Neurosen
seelische Krankheiten: Neurosen
 
Psychische Krankheiten sind nur schwer vom »normalen« Verhalten abzugrenzen. In der Regel kann man sagen, dass eine psychische Störung oder Krankheit dann vorliegt, wenn der psychische Zustand und das Verhalten einer Person vor allem sie selbst, aber auch die Menschen, mit denen die Person zu tun hat, übermäßig stark belasten. Dennoch suchen längst nicht alle Menschen mit psychischen Störungen Hilfe, da sie fürchten, als »geisteskrank« gebrandmarkt zu werden. Manche (vor allem bei zunehmender Verwirrtheit) erkennen zudem nicht, dass sie an einer psychischen Krankheit leiden. Psychische Erkrankungen und Störungen können verschiedene Ursachen haben. So liegen bei organischen Störungen Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns vor (z. B. Alzheimer-Krankheit), bei psychogenen Störungen liegt die Ursache für die Störung in der Psyche - z. B. in erlerntem Verhalten (erlernten »falschen« Reaktionsmustern) oder in der Unfähigkeit, Konflikte zu lösen, auch die Grundeinstellung eines Menschen und sein Erleben spielen eine Rolle. Für die endogenen Störungen konnte noch keine Ursache gefunden werden.
 
 Psychischer Befund
 
Verschiedene Merkmale legen die Vermutung nahe, dass eine psychische Störung oder Erkrankung vorliegt, und helfen dabei den psychischen Befund zu stellen. Dazu gehört die Orientiertheit einer Person - weiß sie nicht mehr, wo sie sich befindet bzw. wer sie ist, oder kann sie Situationen nicht mehr einschätzen und zuordnen, leidet die Person unter Desorientiertheit, was auf eine psychische Erkrankung hindeutet. Auch Bewusstseinsstörungen wie Benommenheit sowie gestörte Gedächtnisfunktionen (das Behalten von Informationen) weisen auf psychische Erkrankungen hin, genauso Störungen des Denkens, zu denen z. B. für andere schwer bzw. gar nicht nachvollziehbare Denkinhalte gehören (»Ich werde verfolgt«). Zu den Wahrnehmungsstörungen gehören z. B. Halluzinationen - eine Person sieht oder hört etwas, was gar nicht da ist. Genauso kann bei psychischen Erkrankungen die Stimmungslage (Affektivität) verändert sein - wer unter Depressionen leidet, fühlt sich »leer« und kann keine Freude mehr empfinden.
 
 Neurosen
 
Zu den Neurosen zählen u. a. die Angst- sowie die Zwangsstörungen, aber auch das Leben weniger stark beeinträchtigendes Verhalten wie ein Tick, z. B. Kopfwackeln in Stresssituationen. Nahezu jeder Mensch besitzt einen Anteil, der als neurotisches Verhalten gelten kann, z. B. das häufige Säubern der Wohnung, obwohl sie überaus sauber ist. Auch wer jedes Mal, wenn er aus dem Haus geht, noch einmal kontrollieren muss, ob der Herd abgeschaltet ist, zeigt eine neurotische Handlung. Diese kleineren Neurosen lassen sich in der Regel gut ins Leben integrieren, wogegen neurotische Störungen unter Umständen das Leben der Person und ihrer Angehörigen stark einschränken. Ausgelöst werden können Neurosen durch erlerntes Verhalten - wenn z. B. ein Kind von einem Hund gebissen wird, wird es sich zunächst einmal vor Hunden fürchten. Diese Angst kann sich im Einzelfall ausweiten, sodass der spätere Erwachsene unter Umständen nicht mehr aus dem Haus geht, weil er einem Hund begegnen könnte. Oft sind es unbewusste, ungelöste innere Konflikte (z. B. der Wunsch, geliebt zu werden, dabei aber seine Unabhängigkeit zu bewahren), die oft schon in der Kindheit vorhanden sind, die zu neurotischen Störungen führen, welche als (unpassendes) Mittel dienen, mit dem Konflikt fertig zu werden.
 
Zu den häufigsten Neurosen gehören Phobien. Darunter versteht man eine unangemessen große Angst vor bestimmten Objekten (z. B. Spinnen, Schlangen, Knöpfen) oder Situationen. Der Betroffene versucht, diesen Objekten oder Situationen auszuweichen, selbst wenn er aus diesem Grund nicht mehr aus dem Haus gehen kann bzw. schwere Einschränkungen seines Lebens auf sich nimmt. Körperliche Symptome können die Angst noch verstärken. Zu den Neurosen zählt auch die Angstneurose, bei der es zu plötzlich auftretender übermäßig großer Angst (Panikattacken) kommt. Sowohl mit den Phobien als auch mit den Panikattacken gehen meist massive körperliche Symptome einher: Es kommt zu Schweißausbrüchen, Herzrasen, Übelkeit. Diese Symptome verstärken bei der Panikattacke die Angst, wodurch die Beschwerden stärker werden. Es kann zu Atemnot, Schwindel- und Beklemmungsgefühlen kommen, oft kommt Todesangst hinzu. Behandelt werden können Angststörungen vor allem durch die Verhaltenstherapie, die u. a. versucht, mithilfe von Entspannungsmethoden und der allmählichen Konfrontation mit dem Angstauslöser zu helfen.
 
Ungelöste Konflikte oder unbefriedigte Wünsche können auch zur Konversionsstörung führen, bei der sich zum Teil massive körperliche Beschwerden zeigen, ohne dass organische Ursachen dafür vorliegen. Bei der Zwangsstörung sehen sich die Betroffenen gezwungen, bestimmte Handlungsabläufe ständig zu wiederholen (z. B. Händewaschen).

Universal-Lexikon. 2012.

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